Der wegen Prüfungsfehlern haftende Abschlussprüfer kann sich auf ein Mitverschulden der Gesellschaft aus Handlungen der Gesellschaftsorgane berufen

Verletzt ein Abschlussprüfer die ihm zukommenden Prüfungspflichten, kann er deshalb der Gesellschaft gegenüber haften. Zweck der Tätigkeit des Abschlussprüfers ist es unter anderem, die geprüfte Gesellschaft vor Vermögensschäden zu schützen. Dazu gehört es auch, eine vorsätzlich unrichtige Rechnungslegung durch Organe der Gesellschaft aufzudecken, sofern dies bei pflichtgemäßen Prüfungsmaßnahmen möglich ist.

Der Oberste Gerichtshof führte nun in seiner Entscheidung vom 29.03.2016 zu Geschäftszahl 8 Ob 76/15g nun aus, dass sich der Abschlussprüfer In einem solchen Haftungsfall auch nicht auf ein Mitverschulden der Gesellschaft berufen kann, dass sich daraus ableitet, dass ihre Organe ebenfalls Pflichtverletzungen begangen haben, nämlich bewusst falsch Rechnung legten. Es ist eben auch Zweck der Abschlussprüfung die Gesellschaft vor Schäden aus derartigen pflichtwidrigen Handlungen ihrer Organe zu schützen. Dies gilt sogar dann, wenn der alleinige Geschäftsführer der Gesellschaft gleichzeitig auch deren einziger Gesellschafter ist. Ein Fehlverhalten der Organe der Gesellschaft kann der Abschlussprüfer dann im Regressprozess gegen die Gesellschafter geltend machen.

Strasser Huber Rechtsanwälte