Änderung der Formvorschriften für ein fremdhändiges Testament

Durch das Erbrechtsänderungsgesetz 2015, das am 1.1.2017 in Kraft trat, kam es zu Änderungen bei den Formvorschriften für ein fremdhändiges Testament. Unter einem fremdhändigen Testament ist jedes schriftliche Testament zu verstehen, das nicht vom Verfügenden handschriftlich verfasst wurde, also etwa ein Computerausdruck oder ein von einer anderen Person handschriftlich verfasstes Dokument. Nur bei Einhaltung folgender Formvorschriften sind ab dem 1.1.2017 errichtete fremdhändige Testamente auch gültig:

Der Verfügende muss die Urkunde vor drei gleichzeitig anwesenden Zeugen unterfertigen, wobei diese handschriftlich auf ihre Eigenschaft als Zeugen hinweisen müssen. Die Identität der Zeugen muss aus der Urkunde hervorgehen, weswegen Geburtsdatum und vollständiger Name neben der Unterschrift angeführt werden sollten. Zusätzlich muss der Verfügende die Urkunde mit einem eigenhändig geschriebenen Zusatz versehen, aus dem zweifelsfrei hervorgeht, dass die Urkunde seinen letzten Willen enthält, beispielsweise “Diese Urkunde enthält meinen letzten Willen.”

Nicht jeder kann als Testamentszeuge fungieren. Ausgeschlossen waren schon bisher Erben und Legatare sowie deren Ehegatten, eingetragene Partner, Eltern, Kinder, Geschwister oder in demselben Grad verschwägerte Personen und Bedienstete des letztwillig Bedachten. Nunmehr sind zusätzlich Lebensgefährten von letztwillig Bedachten, deren Eltern, Kinder und Geschwister sowie gesetzliche Vertreter, Vorsorgebevollmächtigte, vertretungsbefugte Organe, Gesellschafter, Machthaber und Dienstnehmer bedachter Personen oder bedachter rechtsfähiger Gesellschaften zeugnisunfähig. Außerdem sind Gerichtsbedienstete und Notare, die die letztwillige Verfügung aufgenommen haben, als Zeugen ausgeschlossen. Dasselbe gilt für den bedachten Verfasser eines Testaments.

Kann der Verfügende nicht lesen, muss er sich zusätzlich von einem Zeugen in Gegenwart der anderen beiden Zeugen, die den Inhalt des Testaments eingesehen haben, das Testament vorlesen lassen und bekräftigen, dass es seinem Willen entspricht.

Kann der Verfügende nicht schreiben, muss er statt seiner Unterschrift und der schriftlichen Bekräftigung seines Willens sein Handzeichen in Gegenwart der drei Zeugen eigenhändig auf die Urkunde setzen und ausdrücklich vor ihnen erklären, dass die Urkunde sein letzter Wille ist. Es ist ratsam, dass dann ein Zeuge den Namen des Verfügenden auf der Urkunde anführt.

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